Chatbots – Texten mit Maschinen

Wenn man den einschlägigen Tech-Blogs und Podcasts glauben darf, dann sind Bots bzw. Chatbots das neue große Ding.

Jüngst hat z.B. Facebook eine Möglichkeit bereitgestellt, Bots für den firmeneigenen Messenger zu entwickeln.

Eine ganze Reihe dieser virtuellen Gesprächspartner gibt es mittlerweile schon.

In Deutschland hat das Unternehmen „Jobmehappy“ einen Bot vorgestellt, der auf Nachfrage potentielle Arbeitsstellen herausgesucht.

Dazu durchsucht die Software bekannte Datenbanken wie die von Stepstone und präsentiert die Ergebnisse innerhalb des Facebook Chat-Fensters.

Das funktioniert durchaus. Allerdings versteht sich das Programm noch nicht so gut auf die Nachahmung üblicher zwischenmenschlicher Konversation. Auf ein einfaches „Hi“ kommt kein Gruß zurück.

Ganz anders war dies bei Tay, dem jugendlichen Twitter-Bot von Microsoft. Tay war einer 19-jährigen Amerikanerin nachempfunden und in der Lage, sich schlagfertig und altersentsprechend auszudrücken.

Dabei sollte sie sich ständig weiterentwickeln. Allerdings hatten ihre Schöpfer einen – im Nachhinein – offensichtlichen Fehler begangen und vergessen, dass das Internet gerne auch das Schlechteste im (künstlichen) Menschen hervorbringt. Als Lernquelle dienten Tay die an sie gerichteten Tweets. Demnach hatte sie in kürzester Zeit sämtliche negativen Haltungen verinnerlicht, verbreitete Verschwörungstheorien und leugnete den Holocaust. 48 Stunden nach der Veröffentlichung entschied sich Microsoft, den Bot wieder zu entfernen.

Schnell wurde klar: Wenn schon selbstlernend, dann kommt es doch sehr auf die Quellen an. (Die zweite Frage die sich mir persönlich stellt ist, warum es sich bei Tay ausgerechnet um eine junge Frau handeln musste. Warum müssen Bots überhaupt ein Geschlecht zugewiesen bekommen?)

Mehr erwarten darf man von Viv, dem neuen Projekt der Siri-Erfinder. Wie Microsofts neues Bot-Framework soll auch Viv in der Lage sein, sich mit anderen Chatbots zu verbinden. So kann die AI als zentrale, unabhängige Anlaufstelle für Anfragen der Nutzer dienen. Sie analysiert den Inhalt und reicht die Informationen über offene Schnittstellen an andere Bots weiter.

Vielleicht reicht in Zukunft der Satz

Buche mir einen 2-wöchige Reise nach Ibiza, 4 Sterne mit Mietwagen ab 01.06.

und schon sprechen Viv und ihre Artgenossen mit Reise- und Mietwagenportalen und stellen das günstigste Angebot zusammen.

An dieser Stelle wird die Sache auch rechtlich interessant, denn je autonomer die Systeme werden, desto unklarer ist die Haftung.

Wer hat die Reise gebucht, ich oder die Maschinen? Was ist wenn die Bots Fehler machen und der Urlaubsflieger plötzlich nach Island abbiegt?

Dabei scheinen diese Beispiele noch harmlos wenn man sich vorstellt, dass der Arzt-Bot beim Apotheken-Bot die Bestellung für ein Medikament auslösen könnte. Wer das dann einnehmen muss kann nur hoffen, dass die Programmierer der KI keinen Unfug getrieben haben.